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Weg 01 · Der Herzensweg

Zulassen

Wenn die Mauern weich werden

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· Die Reise beginnt hier.

Schön, dass du da bist

Du hast auf deinem Herzensweg begonnen hinzuschauen. Du bist stiller geworden und hast dich deinem inneren Kind zugewandt.

Dabei hast du vielleicht bemerkt, dass es in dir noch eine andere Stimme gibt. Eine Stimme, die dich antreibt. Die alles im Griff behalten möchte. Die vergleicht, bewertet und zweifelt. Die dir sagt, dass du stark sein musst, dass du keine Fehler machen darfst oder dass du dich beweisen solltest.

Diese Stimme kann streng sein. Manchmal ist sie laut. Manchmal so vertraut, dass du sie kaum noch bemerkst.

Wir können diesen Teil von uns das Ego nennen.

Doch dein Ego ist nicht dein Feind. Es ist ein Teil von dir, der irgendwann gelernt hat, dich zu schützen.

Genau hier beginnt der vierte Schritt deines Herzenswegs: Zulassen.

Du musst diesen Teil von dir nicht bekämpfen oder zum Schweigen bringen. Du darfst beginnen, ihn wahrzunehmen und zu verstehen.

Denn manchmal werden unsere inneren Mauern genau dann weicher, wenn wir aufhören, gegen sie anzukämpfen.

Das Ego möchte Sicherheit.

Es möchte wissen, wo du stehst. Es vergleicht dich mit anderen, sucht Anerkennung und versucht, Kontrolle zu behalten.

Oft steckt dahinter Angst.

Die Angst, nicht zu genügen. Die Angst, verletzt zu werden. Die Angst, abgelehnt zu werden. Die Angst, die Kontrolle zu verlieren.

Vielleicht kennst du den inneren Antreiber, der sagt:

Mach mehr. Sei besser. Zeig keine Schwäche. Was denken die anderen? Du musst das schaffen.

Diese Stimme meint es nicht böse mit dir.

Du kannst dir dein Ego wie einen Wächter vorstellen, der vor langer Zeit begonnen hat, auf dich aufzupassen. Vielleicht hat er irgendwann gelernt, dass Leistung Sicherheit gibt. Dass Kontrolle vor Verletzungen schützt. Dass Anpassung Zugehörigkeit bringt.

Der Wächter hat seine Aufgabe ernst genommen. Vielleicht ein wenig zu ernst.

Heute darfst du ihm begegnen.

Zulassen bedeutet, wahrzunehmen, dass Angst, Kontrolle und Zweifel zu dir gehören können, ohne dass sie bestimmen müssen, wohin du gehst.

Du kannst dein Ego hören und trotzdem eine andere Wahl treffen.

Dann entsteht zwischen Reiz und Reaktion ein kleiner Raum.

In diesem Raum kannst du dich fragen:

Wer führt mich gerade?

Meine Angst oder mein Vertrauen?

Mein Ego oder mein Herz?

Du musst dein Ego dafür nicht loswerden.

Es darf mitkommen. Nur führen muss es dich nicht mehr.

Wann wird mein Ego besonders laut?

Wo möchte ich unbedingt Kontrolle behalten?

In welchen Situationen möchte ich mich beweisen oder besonders gut dastehen?

Wovor versucht mich dieser Teil von mir möglicherweise zu schützen?

Wie würde ich handeln, wenn ich mich in derselben Situation von meinem Herzen führen liesse?

Beobachte deine Antworten, ohne dich dafür zu verurteilen. Auch dein Ego gehört zu deiner Geschichte.

Für deine Reise – Meditation

Schliesse deine Augen.

Atme langsam ein und wieder aus.

Spüre deinen Körper und den Boden unter dir.

Stell dir nun einen Ort vor, an dem du dich sicher fühlst.

Vor dir erscheint nach einer Weile eine Gestalt. Sie ist dein innerer Wächter.

Du musst nicht wissen, wie sie aussieht. Nimm einfach wahr, was sich zeigt.

Vielleicht wirkt sie stark. Vielleicht angespannt. Vielleicht müde. Vielleicht steht sie schon sehr lange dort.

Gehe langsam auf sie zu.

Schau sie an.

Und sage:

Ich sehe dich.

Bleibe einen Moment still.

Dann frage:

Wovor möchtest du mich schützen?

Warte.

Vielleicht kommt ein Gedanke. Ein Gefühl. Ein Bild. Vielleicht hörst du innerlich einen Satz.

Frage weiter:

Wovor hast du Angst?

Lass dir Zeit.

Dann sage zu deinem Wächter:

Danke, dass du versucht hast, mich zu beschützen.

Du musst nicht mehr alles kontrollieren.

Ich bin heute hier.

Du darfst dich ausruhen.

Stell dir vor, wie dein Wächter langsam weicher wird.

Vielleicht legt er seine Rüstung ab. Vielleicht setzt er sich. Vielleicht atmet er zum ersten Mal seit langer Zeit tief durch.

Lege deine Hand auf dein Herz.

Frage dich:

Was würde mein Herz jetzt tun?

Bleibe einen Moment bei dieser Frage.

Dann verabschiede dich von deinem Wächter. Nicht, weil du ihn wegschickst. Sondern weil du weisst, dass er nicht mehr allein auf dich aufpassen muss.

Atme tief ein und aus.

Wenn du bereit bist, öffne deine Augen.

Für deine Reise – Übung

Nimm dein Journal und denke an eine Situation, die dich gerade beschäftigt.

Teile die Seite in zwei Bereiche.

Schreibe auf die eine Seite:

Mein Ego sagt …

Lass alles heraus, was auftaucht.

Danach schreibst du:

Mein Herz sagt …

Werde für einen Moment still.

Was fühlt sich weiter an? Was fühlt sich liebevoller an? Was braucht keinen Beweis?

Du musst dich nicht sofort entscheiden.

Manchmal genügt es schon zu erkennen, dass in dir mehr als eine Stimme spricht.

Bring es in dein Leben

Nimm in den kommenden Tagen immer wieder wahr, wann dein innerer Wächter auftaucht.

Besonders wenn du dich ärgerst, vergleichst, rechtfertigst, kontrollieren möchtest oder das Gefühl hast, dich beweisen zu müssen.

Halte kurz inne. Atme.

Dann frage dich:

Was würde die Liebe jetzt tun?

Es muss keine grosse Handlung daraus entstehen.

Manchmal bedeutet Liebe, still zu bleiben. Manchmal bedeutet sie, eine Grenze zu setzen. Manchmal bedeutet sie, ehrlich zu sprechen. Manchmal bedeutet sie, milder mit dir selbst zu sein.

Schau zum Abschluss auf diesen Schritt zurück.

Wann hat mein Ego versucht, mich zu beschützen?

Was verändert sich, wenn ich diesen Teil nicht bekämpfe?

Wo möchte ich meinem Herzen künftig etwas mehr Raum geben?

Du musst dein Ego nicht besiegen.

Du darfst lernen, es zu verstehen.

Vielleicht wird aus dem strengen Wächter mit der Zeit ein Begleiter, der nicht mehr vor dir steht, sondern neben dir geht.

Dein Satz für diesen Schritt

Ich darf meinen Schutz verstehen und meinem Herzen wieder mehr Raum geben.

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